Projekt "Fahrrad-Express"

Der bereits vorhandene Fahrradwagen

Die Eisenbahnfreunde Treysa e.V. beabsichtigen einen Fahrrad-Express in Fahrt zu bringen. Schon seit einiger Zeit gehört ein speziell für die Mitnahme von Fahrrädern eingerichteter Reisezugwaggon zum Fuhrpark der Eisenbahnfreunde. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Interesses an Fahrradtouren und der wachsenden Angebote gut ausgebauter Freizeitradwege entstand die Idee, mit einem Fahrrad-Express die Reichweite für Ausflüge mit dem Rad deutlich zu vergrößern. Viele überregionale Radwege sind zudem auf ehemaligen Eisenbahntrassen entstanden. Daher bestehen häufig an Bahnhöfen Schnittstellen zwischen Bahn und Radweg und erscheint insoweit eine Kombination von Bahnfahrt und Radtour sehr attraktiv. Viele Touristiker und Fahrrad-Lobbyisten zeigten sich von der Idee sehr angetan und trugen bereits Anregungen für konkrete Streckenangebote vor.

Der Wagen von innen mit den Haltevorrichtungen

Nun soll der Fahrradwaggon also wieder in Betriebsbereitschaft versetzt werden. Außerdem ist geplant, einen zweiten Waggon mit entsprechender Ausstattung zu erwerben. Jeder dieser Waggons ist für die Mitnahme von 80 Fahrrädern eingerichtet. Die Fahrräder werden dabei senkrecht mit dem Vorderrad in eine stabile Haltekonstruktion eingehängt und durch eine Führungsschiene für das Hinterrad sicher gehalten. An den Stirnseiten des Waggons besteht für die Radfahrer der Zugang zu den Sitzplätzen. Die Fahrrad-Waggons wurden in den 1960er Jahren von der Firma Wegmann in Kassel hergestellt und sollen nun ihren zweiten Frühling erleben.

Da die eigene Dampflok der Eisenbahnfreunde derzeit ebenfalls noch nicht wieder betriebsbereit ist und die Anmietung von Triebfahrzeugen perspektivisch keine Wirtschaftlichkeit verspricht, soll für die Verwirklichung des Projekts außerdem eine kleine Diesellok, z.B. des Typs V60, angeschafft werden.
Mit den im Fahrzeugbestand vorhandenen Reisezugwagen sowie dem Speisewagen kann somit eine attraktive Zuggarnitur für den Transport von mindestens 160 Fahrrädern und ebensovielen Sitzplätzen für die zugehörigen Fahrerinnen und Fahrer angeboten werden. Seitens der örtlichen und regionalen Vertreter der Regionalentwicklung und der Tourismusförderung wird das Vorhaben der Eisenbahnfreunde mit Wohlwollen gesehen, denn mit dem Radler-Zug bestehen gute Aussichten viele Radtouristen in die Schwalm zu bringen und hier das inzwischen gut ausgebaute Radwegenetz stärker auszulasten.

Nach Möglichkeit soll der Fahrrad-Express schon ab dem nächsten Frühjahr zur Verfügung stehen. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter und vor allem kostenintensiver Weg. Insgesamt rechnen die Eisenbahnfreunde mit einem Finanzbedarf in der Größenordnung zwischen 200.000 und 250.000 Euro. Dabei stellen die Anschaffung und die Herstellung der Betriebsbereitschaft von Lok und Fahrradwaggons die Hauptlast dar, daneben wollen u.a. die Projektbewerbung und die Entwicklung von spezifischen Angeboten für Bahn-Rad-Touristen finanziert werden. Dabei kommen sowohl regelmäßige Fahrangebote auf der Achse der Main-Weser-Bahn (Frankfurt-Kassel) als auch exklusive Angebote als Gruppenreisen in die Schwalm oder umgekehrt zu bestimmten Ausflugszielen in Betracht. Außerdem soll die Zuggarnitur an andere Veranstalter vermietet werden.

Die Projektfinanzierung soll natürlich nicht zu Lasten des Hauptprojektes der Eisenbahnfreunde, der Wiederinbetriebnahme der eigenen Dampflok, sondern vor allem durch öffentliche und private Tourismus- und Regionalförderung erfolgen. Diesbezügliche Projektskizzen und Förderanträge werden gegenwärtig vorbereitet.

Im Pendelzug am 13. August 2017

Im Rahmen des "Blauen Sonntags 2017" am 13. August konnte erstmals durch ein Pendelzugangebot für Radfahrer zwischen Kassel und Treysa eine größere Öffentlichkeit auf das Fahrrad-Express-Projekt aufmerksam gemacht werden. Dazu war ein Fahrzeug von der Kurhessenbahn angemietet worden und standen ca. 65 Fahrradstellplätze und 94 Sitzplätze zur Verfügung. Aufgrund der unerwartet spärlichen Resonanz, auch aufgrund des unbeständigen Wetters, mußten die ursprünglich geplanten drei Pendelfahrten auf eine Hin- und eine Rückfahrt reduziert werden. Der zusätzlich und dankenswerterweise eigens aus Mitteln der LEADER-Region Schwalm-Aue für die Strecke Treysa-Trutzhain bereitgestellte Bus zur ebenfalls am "Blauen Sonntag" geöffneten Kunstblumenfabrik Lumpe sowie zur Weberei Egelkraut in Trutzhain blieb leider sogar gänzlich ohne Fahrgäste. Dank der Überschüsse aus dem Verkauf von Speisen und Getränken sowie durch Spenden am parallel durchgeführten Tag der offenen Tür der Eisenbahnfreunde und vor allem durch eine zweckgebundene Spende der Kreissparkasse Schwalm-Eder konnte glücklicherweise ein Defizit aus dem Engagement rund um den "Blauen Sonntag" vermieden werden.

Nun gilt es vor allem mit den Trägern der touristischen Entwicklung in der Region zu besprechen wie unsere bisherige Idee, für 2018 zum 10jährigen Bestehen des "Blauen Sonntag" ein besonderes Fahrerlebnis mit der blauen (!) Oldtimer-Ellok der Baureihe 18 zu bieten, wirtschaftlich abgesichert und entsprechend effizienter beworben werden kann. Die geplante Zuggarnitur konnte im Modell während des "Kesselwurstfestes" am 25. Juni sowie zum Tag der offenen Tür im ehemaligen Bahnbetriebswerk Treysa am 13. August bewundert werden.

So könnte der Zug zum Blauen Sonntag 2018 aussehen

Am Tag zuvor hatte sich eine prominent besetzte Kommission aus relevanten Vertretern der Regionalentwicklung unserer Region gemeinsam mit einigen Vertretern der Eisenbahnfreunde Treysa aus fast 90 Namensvorschlägen für den Fahrrad-Express für "Hennes - Der Rollende Radweg aus der Schwalm" ausgesprochen (siehe auch die Meldung unter Neuigkeiten zur Namensfindung).

Im nächsten Schritt soll es anschließend um die Farbgestaltung des Waggons gehen. Derzeit zeigt er sich in einem ungeplanten Graffiti-Outfit. Natürlich sollen die Fahrrad-Waggons eine unverwechselbare Farbgebung in Verbindung mit dem sicherlich prägnanten Namensschriftzug erhalten. Die ursprüngliche Lackierung wie sie an dem H0-Modell zu sehen ist dürfte für den Zweck des neuen touristischen Angebotes eher ungeeignet sein.