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23.12.2020 13:44 Alter: 109 days

Lok-Up im Lockdown

Eisenbahnfreunde freuen sich über Hebebockanlage


Die Eisenbahnfreunde Treysa vermelden glücklich und stolz den Erwerb einer Hebebockanlage. Was Wagenheber für den Radwechsel beim Auto sind können bei einer einhundert Tonnen schweren Dampflok nur entsprechend leistungsstarke Hebeböcke ermöglichen.

Bislang verfügte der von den Eisenbahnfreunden genutzte Lokschuppen Treysa nicht über eine für die Wartung und Instandhaltung von schweren Bahnfahrzeugen nötige Hebeeinrichtung. Die fachgerechte Arbeit an einer Lok zur Wiederherstellung der Betriebsfähigkeit ist aufwendig und teuer. Um die 52 8106 wieder unter Dampf zu bekommen ist so viel Eigenleistung nötig wie möglich. Die Hebebockanlage ist dafür unabdingbar und vielleicht der entscheidende Schlüssel für den Erfolg des Dampflokprojektes.

Nach einem Jahr Suche nach einer gebrauchten, funktionstüchtigen, passenden und auch noch bezahlbaren Hebebockanlage musste es Ende November plötzlich sehr schnell gehen. Zunächst elektrisierte die Information, dass eine in Sachsen ansässige Firma eine Hebebockanlage abgeben wollte. Diese Anlage hatte erst 22 Jahre Einsatz auf dem Buckel und sollte durch eine leistungsfähigere Anlage ersetzt werden. Ihre technischen Daten versprachen ideale Eignung für die Eisenbahnfreunde. Besichtigung war am 3.Dezember, der einzig mögliche Abholtermin war der 14.Dezember, und vor Abholung sollte der Kaufpreis gezahlt sein. Verwaltung und Buchhaltung des Verkäufers arbeiteten für das nötige Vertragswerk und die Rechnungslegung unter Hochdruck. Die Eisenbahnfreunde ebenfalls. Der Transport war zu organisieren. Das alles klappte sehr gut, auch die Improvisation bei der Verladung aufgrund nicht mehr vorhandener Transportsicherungen bei den Hebeböcken.

Sechzehn Stunden nach Beginn der Verladung stand der Lkw mit den Hebeböcken tatsächlich auf einem Speditionsgelände in Willingshausen-Zella. Zum Betriebsgelände der Eisenbahnfreunde ging es dann am nächsten Tag. Mit dem Verladekran des Lkw konnten die Hebeböcke auf einen Flachwaggon der Eisenbahnfreunde gehoben und schließlich auf Schienen in den Lokschuppen geschoben werden. Dort wurden die vier jeweils 2,5t schweren und über vier Meter aufragenden Böcke behutsam an ihren neuen Standplätzen aufgestellt.

Bis zur Inbetriebnahme der Hebeböcke erwartet die Eisenbahnfreunde nun noch viel Arbeit: Vier Fundamente müssen hergestellt und die Elektrik angeschlossen werden. Vor allem aber muss die Lok so weit demontiert werden, dass sich der Rahmen mit dem mächtigen Dampfkessel von den Radsätzen abheben lässt. Die Eisenbahnfreunde rechnen - auch vor dem Hintergrund der coronabedingten Einschränkungen - nicht vor Jahresmitte 2021 - mit dem Lok-Up, dem tatsächlichen Einsatz der Hebeböcke.

Mit dieser Anschaffung haben die Eisenbahnfreunde die Flucht nach vorne angetreten, um den Dampflokbetrieb in der Eisenbahnstadt Treysa bald wieder mit einer eigenen Lok aufnehmen zu können. Die Anschaffung war zwar sehr erwünscht, aber dennoch nicht geplant. Insbesondere gab und gibt es Im Haushaltsplan der Eisenbahnfreunde keinen Titel für die nun schon getätigten Ausgaben von einigen zehntausend Euro. Da im Corona-Jahr 2020 fast alle geplanten Fahrten ausgefallen sind, konnte zuletzt auch kein neues Polster für Investitionen eingefahren werden. Die Zuversicht stützt sich nun auf eine nachträgliche Spendenbereitschaft für das Dampflokprojekt. Der Vorstand hofft dass das pragmatische Handeln für die Zukunftsaussichten einer betriebsfähigen Dampflok 52 8106 nicht nur von den Mitgliedern, sondern auch von den weiteren Freunden an der Erhaltung eines regionalen Kulturgutes mit einer zweckgebundenen Spende honoriert wird.

Deutsche Presse Agentur dpa - 21.12.2020